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Eine Nacht voller Sternenstaub..

Ich war die letzte Woche in Berlin – diese Stadt hat im Grunde schon einen gewissen Zauber, aber für mich ist Berlin nicht nur eine Stadt, es ist ein Gefühl. Dort lebt jemand, den ich mal sehr gemocht habe und seit über zwei Jahren nicht gesehen habe. Und nun hatte ich die Möglichkeit durch die Arbeit für fünf Tage in diese Stadt zu gelangen – in der ich seit Oktober 2004 nicht mehr war.
Alles in mir schrie auf, warnte mich. Ich rang mit mir, ob ich ihn anrufe und nach einem Wiedersehen frage oder ob ich einfach wieder zurück nach Hamburg fahre.

Ich entschied mich für eine SMS – erst kam nichts zurück und ich kam mir unendlich dumm vor. Dabei wollte ich doch nur einen Kaffee mit ihm trinken gehen. Und jetzt erschreckt mich, dass ich wirklich so naiv war und geglaubt habe, das könnte mir reichen.
Donnerstag war mein letzter Tag. Ich hatte mich schon damit abgefunden, dass ich ihn nicht sehen werde. Und dann doch: Er meldete sich und würde gerne am Abend etwas mit mir unternehmen. Ich war wie gelähmt. Es ist soviel Zeit vergangen. Und ich dachte einfach nicht nach, ließ den Abend auf mich zukommen.

Er holte mich, unpünktlich wie er ist, eine halbe Stunde zu spät aus dem Hotel ab. Er hat sich nicht viel verändert. Er sieht nur reifer aus. Und ich frage mich die ganze Zeit, ob er meint, ich habe mich verändert. Und ob er mich wohl hübsch fände.
Und als wäre die Zeit dazwischen nie vergangen, redeten und lachten wir. Zusammen saßen wir in einer netten Bar und tranken Bier (und das, obwohl ich Bier gar nicht so mag..). Natürlich war ich irgendwann gut angetrunken, aber Herr über alle meiner Sinne.
Und während unserer ganzen Gespräche hatte ich das Gefühl, dass unter dem gesprochenen Text unausgesprochene Worte mitliefen, die etwas völlig anderes sagten als das, was wir sprachen..

Und ich fragte mich, ob er sich wohl noch an unsere gemeinsame Zeit erinnert oder ob er mich schnell vergessen hat. Eine Woche war ich bei ihm. Eine wunderbare Zeit meines Lebens. Dort zählte nur jeder Augenblick. Mit ihm zählen nur die einzelnen Momente, da gibt es kein Morgen, kein Irgendwann. Ich war so verliebt in diese blauen Augen, dieses Lächeln, diese Art mich anzusehen und zu berühren.
ABer es war nicht die rechte Zeit – er war noch gefangen in einer anderen Welt, die Entfernung zwischen uns war zu groß und wir sind auch zu unterschiedlich in unserem Leben. Ich, die ständig organisierte, ordentliche, durchgeplante junge Frau und er, der immer in den Tag hinein lebende, seine eigenen Regeln schaffende Mann. Wie sollte das denn auch gut gehen?! Also trennten wir uns. Und es war schmerzlich für mich. Und ganz vergessen habe ich nie – aber ich konnte ohne ihn leben. Er hat mir nicht gefehlt. Und ich erinnere mich, dass die meiste Nähe zwischen uns entstand, wenn ich mich ihm öffnete und verletzlich zeigte, aber dann kam auch meine Angst, ihm ausgeliefert zu sein. Meine Schwäche gab ihm Macht über mich, dabei bemühte ich mich doch die ganze Zeit, Macht über ihn zu gewinnen. Aber das sollte sich alles ändern, in dieser einen Nacht.
Er hat nichts vergessen von alledem, was zwischen uns war. Er sprach davon, was wir alles zusammen erlebt haben. Es war alles wie im Traum. Als ob jemand etwas Sternenstaub auf diese Nacht geworfen hat, um ihr diesen Zauber zu verleihen.

Nach einiger Zeit machten wir uns auf den Weg Richtung Hotel. Wir lachten, erzählten, redeten über alte Zeiten und ich wollte noch nicht, dass er geht. So ist er mit hinaufgekommen. Dort standen wir an meinem Balkonfenster, teilten uns noch ein Bier und schauten hinaus in die Dunkelheit. Er war so nah an mir, dass ich ihn riechen konnte, sein Arm berührte meinen und auch unsere Hände kamen sich zaghaft näher. Dann trafen sich unsere Blicke, und ich spürte, wie ihm mein Herz entgegenflog, wie ich ihn wollte, mit einer so starken Heftigkeit. Ich erschrak über mich selbst.
Wir versanken in einen unbeschreiblichen wunderschönen Kuss.

Er sagte mir, wie wunderschön ich sei und dass er immer gehofft hat, dass wir uns wiedersehen. Und in dieser Nacht war alles anders. Alles war so intensiv. Ich hatte das nicht geplant, ich hatte nicht damit gerechnet. Es kam alles über mich. Es zählte nur der Augenblick. Seine Augen sahen tief in mich hinein und erreichten einen Ort, der bisher verborgen war. Ich hatte das Gefühl ihn neu kennenzulernen in dieser Nacht – als er ging, da war es so vertraut, so ehrlich, so nackt – das kannte ich nicht.
Ich fühle seine Kraft in meinen Händen, seine Berührung unter meiner Haut. Ich habe von seinem Leben gekostet und bin fasziniert – aber mein Durst ist nicht gestillt. Er wird nie gestillt sein. Er ist wie eine Möwe, immer fliegend von einem Ort zum anderen, kann nie lang verweilen, denn die Freiheit ruft.

Und es ist auch nicht wichtig. Heute kann ich das unterscheiden. Dieser Mann wird immer Teil meines Lebens sein, aber er wird nie in mein Leben gehören. Und es macht mich nicht traurig. Ich weiß, ich werde ihn wiedersehen – und diesen Sternenstaub – diese Leidenschaft, die kann uns keiner nehmen.
Und das nehm ich mit, in mein anderes großes Leben. Es ist das Lächeln auf meinem Gesicht, es ist die Träne in meinem Auge, es ist der Fleck auf meinem Herzen, der mich so intensiv fühlen lässt, der immer daran erinnern wird.

Während der Zugfahrt zurück nach Hamburg fragte ich mich, wie es jetzt weitergehen soll. Was werde ich jetzt tun? Er hat so viel in mir hinterlassen und ich bin so verunsichert was mein Leben angeht. Ist das alles so richtig was ich tue oder bilde ich mir das ein, damit es mir nicht schlecht geht? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass er mich dazu bringt, so zu denken, ich weiß, dass es an ihm liegt, dass ich mich jetzt im kompletten Chaos befinde. Aber ich weiß auch, dass es das alles wert ist, ich weiß, dass ich ihn wiedersehen werde.

Und ich weiß, dass mein Leben einen unbeschreiblichen, zauberhaften Moment dazu gewonnen hat. Und den kann mir keiner nehmen. Ich habe die unsterbliche Erinnerung in mein Herz hinein gemalt – das konnte ich nur wegen des ganzen Sternenstaubs..

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3 Meinungen

  1. Liest sich gut,dieses kleine amouröse Abenteuer im Rosamunde Stil,allerdings im neuen OUTFIT für die modebewusste Karriere-Frau um die 40……, und verleiht MÄNNERN Macht über Mädels,die für so ein ….”er holt mir die Sterne vom Himmel”…..FLIRT-VERHALTEN äußerst anfällig sind.Sie sind quasi süchtig danach,so umgarnt zu werden,um am Ende ihres Dates festzustellen:”ER ist gekommen und zwar überpünktlich: 2 Minuten zu früh…”Wie so ein Charme-Bolzen ans Ziel kommt,lernt er bereits im zarten Kindesalter von Mami,Tanten und der Schwester….An die SCHOKOLADE komm ich ran;ich muss nur die richtigen Knöpfe betätigen,damit mir ALLE weiblichen Wesen,auch meine Lehrerin,NICHT widerstehen können.Keine Sorge,…diese Spezie.. Mann reduziert sich homöopathisch,weil ihnen die Übungsobjekte in der eigenen Familie zukünftig fehlen werden.

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  2. Was für eine schöne Geschichte. Traurig, aber dennoch sehr berührend. Ich kenne dieses Gefühl, etwas tun zu müssen, weil wir geleitet werden von Sehnsucht und Gefühlen, aber gleichzeitig zu wissen, dass es gefährlich sein kann. Umso schöner zu lesen, dass der Abend Dir soviel bedeutet hat und Du damit leben kannst, dass er erst einmal alles ist, was Dir bleibt.

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  3. IN SOPHIES WELT….Weltschmerz pur,wenn sie von Momenten zehren muss,unter dem Motto:”Weihnachten isch öfter..”(sagt der gemeine Schweizer).Mir kommen sichtlich die Tränen bei der Vorstellung,dass spätestens ab Mitte 30 das Leben vorbei ist.Ich habe dann Furchen gelebten Lebens im Gesicht,die keine,aber auch keine FALTEN-WEGBÜGEL-CREME beseitigen kann.Orangenhaut,Krampfadern oder gar das eine oder andere Speckröllchen an unpassender Stelle lassen sich geschickt weg kaschieren,indem ich sie bedecke. Vorzeigbar ist noch mein Hängebusen,den ein Push-Up gerettet hat.Wie meine Mom das angestellt hat,NICHT in eine sog. weiblich erzeugte Altersdepression zu fallen???Ganz einfach:Sie ist der Mittelpunkt der Familie und lässt meinen Dad NICHT “nuhr” seine Hemden selbst bügeln.Auch ich habe Pflichten und bin die Putz-Liesel vom Dienst,was unsere Bäder betreffen.Ansonsten macht sie Fit und Wellness rund um die Uhr und verschafft meiner Oma das Gefühl gebraucht zu werden.Die ist im Fenster-Putzen trotz ihres fortgeschrittenen Alters spitzenklasse.Sie steht gerne am Herd und zaubert dort die leckersten Gericht wie zum Beispiel ihr weltklassen VITELLO TONNATO.Ab und zu leihe ich ihr eine von meinen zahlreichen Jeans oder Tops,dafür ist sie mein Coach.Beruflich “rettet” sie Kinder vor dem AUS in der Schule,oder so..Mein Dad trägt sie NICHT auf Händen,obwohl sie kein Schwergewicht ist und liegt ihr auch NICHT zu Füßen.Das ist nicht die Wirklichkeit, hat sie mal wieder betont,wenn frau Schmetterlinge im Bauch hat;davonbist du spätestens nach einem halben Jahr geheilt.Am Anfang projizierst du alle deine Wünsche und Sehnsüchte auf den von dir so sehr geliebten Menschen,um nach einiger Zeit festzustellen,dass er dasselbe mit dir tut.Dabei liegt es auf der Hand:I am, what I am….Doch Versuche ihn/sie zu ändern,ist der Tod jeder Liebesbeziehung.Verliebt in das Verliebt-Sein ist eine Lösung für junges Gemüse.Dörrobst liebt es nostalgisch.Meine Mom redet normalerweise wenig,aber da hat sie mich vielleicht zugetextet….

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